Silberrausch
Silberrausch in Großerlach
Eine kurze chronologische Übersicht über die Geschichte des Silberstollens
in Großerlach, die sich in den Jahren 1772/1773 ereignete. Der Betrieb
des Silberstollens wurde wegen fehlender Wirtschaftlichkeit nach einem Jahr
eingestellt.
Dezember 1772
Die drei Bauern Hans Georg Jäcklen, Johann Christoph Wieland und Sigmund
Wieland aus Erlach stoßen beim Ausheben eines Brunnens in der Nähe
des alten Rathauses auf eine "blau glänzende Gesteinsschicht".
Sie bringen ein Stück dieses glänzenden Gesteins dem Bergrat Riedel
nach Wüstenrot zur Probe, dieser stellt fest, dass Silber enthalten ist.
2. Januar 1773
Bergrat Riedel besichtigt die Fundstelle in Erlach und findet den im Tal heraustretenden
Flöz für eine Mutung geeignet. Er schickt die Bauern nach Sulzbach
zum Amtmann, um die Eigentumsverhältnisse klären zu lassen.
3. Januar 1773
Die drei Erlacher Bauern werden vom Amtmann Kuenzlen in Sulzbach abgewiesen.
Bergrat Riedel wendet sich deshalb noch am selben Tag mit einem Brief an den
Stadt- und Amtschreiber Brückner nach Löwenstein mit der Bitte um
nähere Auskunft und Unterstützung.
4. Januar 1773
Bergrat Riedel erstellt einen Entwurf für die Betreibung eines Bergwerkes
in Erlach. Die Bauern Jäckle, J. Ch. Wieland und S. Wieland bitten schriftlich
um die Genehmigung, unter dem Namen "Gabe Gottes" eine Erz-Fundgrube
in Erlach anlegen zu dürfen. Stadt- und Amtschreiber Brückner schickt
alle Unterlagen unverzüglich an die gräfliche Verwaltung in Wertheim
mit der Bitte um Entscheidung.
8. Januar 1773
In einer Bedenkung stellt der Rat und Vogt zu Löwenstein Fischer den voraussichtlichen
Gewinn aus dem Silberbergwerk in Erlach zusammen. Das Bergwerk soll auf 132
Kuxen (Anteilscheine) eingerichtet werden:
128 der Companie
1 der gnädigsten Herrschaft
1 dem Besitzer des Grund- und Bodens
1 dem Heiligen und der Schul
1 dem Pfarrer für sein entrichtendes Gebet
Es wird gerechnet, dass in 14 Tagen 300 Zentner Erz gefördert und geschmolzen
werden könnte. Für die Herrschaft in Löwenstein würden sich
daraus in 14 Tagen aus den Anteilen und den Steuern 49 Pfund Silber oder 1568
Gulden Gewinn ergeben. Aufs Jahr gerechnet wären das 1274 Pfund Silber
oder 39768 Gulden Gewinn.
Ab 1. März 1773
Unter dem Namen "Gabe Gottes" wird in den Hauswiesen unterhalb des
alten Rathauses eine Mutung angelegt. Man beginnt noch im 1. Quartal (in der
11. Woche) mit der Arbeit am Stollen.
Juni 1773
Am Ende des 2. Quartals sind für die Arbeitslöhne und Nebenkosten
wie Lichter, Holz, Arbeitsgeräte, Schmied- und Zimmermannsarbeiten von
März bis Ende Juni 387 Gulden 34 Kreutzer ausgegeben worden. Dem stehen
aber nur 217 Gulden an Einnahmen aus den Kuxen entgegen. Innerhalb von 14 Wochen
entsteht eine Grubenschuld von 170 Gulden 34 Kreutzer.
15. Juni 1773
Bergrat Riedel aus Wüstenrot stellt einen ersten Grubenbericht zusammen.
Danach wurde der Stollen in der 11. und 12. Woche des 1. Quartals belegt und
wird bis Ende des 2. Quartals 18 Lachter (= 36 Meter) in den Fels getrieben
sein. Bei den Arbeiten sei man auf einen "mächtigen blauen Flöz
mit Edlen Marcasitten und Kupffer Kiessen" gestoßen.
Da jeder Bergmann "in seiner 8-stündigen Schicht 10 bis 12 Centner
Bocherz zu Tage fördern kann", bestehen alle bergmännischen Hoffnungen.
Leider fehlte noch eine geeignete Schmelzhütte. "Dahero hat man von
Seiten des Bergamtes zur Bestreitung des Gruben u. Hüttenbaues auf das
Quartal Trinitatis 2 Gulden zubuse auf jeden Kux angeschlagen, damit der Berg-
u. Hüttenbau mit aller Forsche betrieben werden kann, um zur baldigen Einnahme
zu gelangen...“
Herbst 1773
Der Bau eines Pochwerks und einer Schmelzhütte in Liemersbach wird begonnen.
Die Kosten werden auf rund 3400 Gulden veranschlagt.
Ende 1773
Die Abrechnungen für die drei Quartale 1773, an denen im Stollen gearbeitet
wurde, ergeben für die "Gabe Gottes" in Erlach folgendes Bild:
- Einnahmen aus den Zubusen (Kuxen) 841 Gulden
- Gesamtausgaben für das Bergwerk 1021 Gulden 18 Kreutzer
- Das Defizit beträgt 180 Gulden 18 Kreutzer.
Hinzu kommen noch die Ausgaben für das Poch- und Schmelzwerk in Liemersbach
mit insgesamt 3493 Gulden und 5 Kreutzern. In den 5 von Bergrat Riedel auf löwensteinischem
Gebiet betriebenen Bergwerken wird im gesamten Jahr 1773 ein Defizit von 3569
Gulden erwirtschaftet.